Urlaub bei Gott

21. Juli 2022
Niederung Donnern (gre)

Im „Reiselied“ von Hermann Hesse heißt es:

„Sonne leuchte mir ins Herz hinein,
Wind verweh´ mir Sorgen und Beschwerden!
Tief´re Wonne weiß ich nicht auf Erden,
als im Weiten unterwegs zu sein.“

Bilder von sonnendurchfluteten Landschaften habe ich da vor Augen. Ich spüre die angenehme Kühle großer Kirchen. Düfte von fremdartigen Blumen und exotischem Essen kommen mir in die Nase und ich höre schon das Rauschen von Meereswellen. Vorfreude ist die schönste Freude, behaupten manche. Eine Sehnsucht ist es, die die Vorfreude auf das Reisen in uns auslöst.

Es ist die Sehnsucht nach Leben jenseits der Alltagswelt. Wir erhoffen uns, etwas zu spüren von unbeschwertem, leichtem Leben, von dem wir träumen. Es ist der Traum von einem Leben, in dem wir das, was uns bedrückt, hinter uns lassen. Ein Leben, in dem Sorgen und Ängste keine Rolle spielen. Endlich einmal so sein dürfen, wie man ist. Einmal auch anders sein dürfen als sonst. Sich selbst im neuen Umfeld erfahren.

Diese Sehnsucht wird bei Gott täglich erfüllt! Das ist nicht nur Trostbotschaft für alle, die in diesem Jahr nicht in den Urlaub fahren können. Es ist mehr: Glaube an die Liebe und Gnade Gottes ist wie Urlaub im Alltag. Da kann ich mich auch dann noch geliebt wissen, wenn mir etwas nicht gelingt. Da fühle ich mich auch dann noch getragen, wenn ich Angst und Sorgen habe. Da kann ich dennoch mit Leichtigkeit leben, auch wenn mir im Leben Schweres begegnet. Da darf ich so sein wie ich bin, auch wenn ich Zwänge und Konventionen einhalten muss.

Die Sehnsucht wird auch erfüllt im Gottesdienst am Sonntag. Denn Gottesdienst ist Unterbrechung des Alltags. Das Vertrauen auf das Geschenk der Gnade lässt uns ein Stück von der Unbeschwertheit des Reisens im Alltag spüren. Denn Leben im Glauben an die Gnade Gottes, das ist täglich Urlaub bei Gott!

Eine gesegnete Sommerzeit wünscht Ihnen und Euch,
Pastorin Pia Werner