Gedanken zu Ostern

29. März 2021

Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

Ein Pastor rasiert sich auf der Kanzel

Eine Andacht von Pastorin Pia Werner:
Margot Käßmann, die ehemalige Bischöfin der EKD, hat einmal erzählt, dass sie mit dem Fall eines Pastors konfrontiert wurde, der sich auf der Kanzel rasiert hatte.
„Werden Sie ihn disziplinarrechtlich verfolgen?“, war die Frage. Sie antwortete: „Er hat sich auf der Kanzel rasiert? Das glaube ich nicht!“
Und so kam es zum Gespräch mit dem Pastor, der erklärte, genau das sei doch der Sinn gewesen. Er habe am Sonntagmorgen auf der Kanzel Rasierschaum und Pinsel herausgeholt, sich in aller Seelenruhe rasiert, in den Spiegel geschaut und dann zur Gemeinde gesagt:

„Wenn Sie jetzt nach Hause gehen und das erzählen, wird Ihnen jeder sagen: „Das glaube ich nicht!“ Genauso war es an Ostern, als die Ersten erzählt haben: „Er ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“

Obwohl das Rasieren auf der Kanzel und die Auferstehung zwei völlig verschiedene „Paar Schuhe“ sind, hat dieser Pastor dennoch mit seiner Rasieraktion auf der Kanzel einen Punkt erwischt: Den Unglauben der ersten Jüngerinnen und Jünger, der auch viele von uns bis heute mit Blick auf die Auferstehung zweifeln lässt.

Und so heißt es im Neuen Testament, im Markus-Evangelium, Kapitel 16, Verse 1-8

1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben.
2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging.
3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?
4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.
5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich.
6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.
7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.
8 Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.

Lutherbibel, Ausgabe 2017

Später, als die Jüngerinnen Vertrauen gefasst hatten, dass es wahr ist, da haben sie es weiter gesagt: Jesus lebt! Später, als sie glauben konnten, dass trotz ihrer schlimmen Erfahrung von Tod am Karfreitag neues Leben möglich ist. Vertrauen wächst mit der Zeit. Und - so stelle ich mir vor - ist den Frauen dann später ein dicker „Grabes-Stein“ vom Herzen gefallen, als sie begriffen und spürten und glaubten: Jesus lebt.

Die Botschaft von Ostern heißt: Jesus lebt - und mit ihm auch wir! Jesus lebt - mit ihm auch ich! Das Leben geht nicht nur irgendwie weiter, nein, vielmehr: Das Leben geht wirklich weiter! Gott verändert die Erfahrung der Angst und des Todes. Gott verändert alle Krankheit und Schmerzen. Gott umarmt uns in der Gemeinschaft mit denen, die aus dem Leben in den Tod und aus dem Tod in das neue Leben gegangen sind. Die Frauen am Ostermorgen haben erfahren, dass das, was sie nie erwartet hatten, doch wahr geworden ist: Jesus lebt, mit ihm auch wir! Das Leben geht weiter!

Betet gemeinsam:

  • „Jesus Christus, du bist die Auferstehung und das Leben.
  • Dich loben wir, dir danken wir: Licht mitten in der Dunkelheit,
  • Stimme in sprachlosem Schweigen, Wärme in tödlicher Kälte,
  • Bewegung in lähmender Starre, Heil in verletzendem Streit.
  • Dich bitten wir um das Leben, das dem Tod widerspricht. So bitten wir:

Dass die Botschaft der Engel auch uns erreicht und wir den Weg finden, den du uns vorausgegangen bist. Damit wir nicht stehenbleiben bei der Klage über das Dunkel, sondern selbst das hereinbrechende Osterlicht wiederspiegeln. Damit wir als Menschen leben, die nochmal eine Chance bekommen haben, die nochmal neu anfangen können.

Wir bitten für alle Menschen, die denen beistehen, deren Leben vom Tod bedroht ist, für alle, die Kranke pflegen und Sterbende begleiten, für alle, die den Kreislauf der Gewalt durchbrechen, für alle, die mithelfen, Feindbilder abzubauen und sich bemühen, auch in Feindin und Feind Gottes Geschöpf zu entdecken.  AMEN

Gemeinsam betet das Gebet, das alle Christinnen und Christen vereint:

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Sprecht euch gegenseitig den Segen zu:

„Es segne und behüte dich der auferstandene und lebendige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
AMEN“