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Adventsaugen

„Einen Menschen lieben heißt, ihn so sehen, wie Gott ihn gemeint hat.“ (Dostojewski)

Was für ein Geschenk,

mit solchen liebenden Augen sehen zu können.

Wie durch einen Nebel hindurch blicke ich auf die Menschen, die ich liebe und sehe vorbei an ihren Unzulänglichkeiten und Fehlern, schaue hindurch durch das, was mich nervt und dann sehe ich, wie es von innen strahlt: Alles, was diesen Menschen liebenswert macht, seine Einzigartigkeit, das was ihn ausmacht, ihm Kraft gibt und mich beflügelt. Einen Menschen so sehen, wie Gott ihn gemeint hat. Mit liebenden Augen.

Manchmal versuche ich das. Stelle mich an eine Ecke und sehe mir die Menschen an. An der Kasse im Supermarkt, auf dem Bahnsteig oder an der Schule. Dann fallen mir die Menschen ins Auge. Erst sehe ich, wie sie trödeln, wie sie grimmig gucken oder nachlässig angezogen sind. Dann gucke ich tiefer. Ich sehe, wie bedächtig und sorgfältig sie alles aufs Band legen. Bestimmt sind sie auch in anderen Bereichen ihres Lebens so fürsorglich. Ich sehe, dass sie Lachfalten um die Augen haben und stelle mir vor, in welchen Momenten sich ihr Gesicht erhellt. Ich sehe, wie Eltern ihr Kind in die Arme schließen und küssen und die Kleidung überhaupt keine Rolle spielt.

Ich überlege mir, wer diese Menschen liebt und wer sie einmal geliebt hat. Wie muss es für Gott sein, all seine Menschen anzusehen und in uns das zu sehen, was er in uns gemeint hat. Wie groß muss Gott sein, durch all unsere Fehler hindurchzusehen, durch unsere Bequemlichkeit und Angst, durch all das Schlechte in uns. Um dann zu sehen, was in uns strahlt.

Im Advent können wir uns sagen: Siehe, Gott sieht dich mit liebenden Augen an. Mit Adventsaugen.

Adventsaugen, die wünsche ich uns allen. Einander ansehen und erkennen, was sonst nur wenige sehen: Was liebenswert ist, in den Menschen um uns herum. Probiert es aus. Es lohnt sich.

Kommt gut durch den Advent und die Weihnachtszeit.

Ihre und Eure
Pastorin Lara Schilde