Wir brauchen Visionen

27. März 2018

Was wir brauchen, ist eine Vision!

Diese Worte habe ich in letzter Zeit öfter gelesen. Im Spiegel finde ich diese Worte: Visionen jedweder Art fehlen: Regieren verkommt zur regelmäßig wiederkehrenden Krisenbewältigung, zum "Taumeln von einem Notfall zum anderen".

Allerdings stammen diese Worte aus der Ausgabe „Der Spiegel 37/1991“. Das Fehlen von Visionen scheint also weder ein Phänomen allein unserer Zeit zu sein noch etwas, was sich nur in Kirche finden lässt.

In Kirche verändert sich gerade sehr viel. Evangelische Kirche ist einer von vielen auf einem pluralen Markt an Möglichkeiten geworden. Eine Volkskirche, in der fast jeder entweder evangelisch oder katholisch ist, gibt es in Deutschland schon jetzt nicht mehr und wird es in Zukunft immer weniger geben. Wie deuten wir diese Veränderungen? Papst Franziskus deutet es so:

„Wir erleben nicht die Ära des Wandels, sondern den Wandel der Ära.“

Wie also steht es mit Visionen, wenn alles sich verändert?

Mein Gedanke dazu ist, dass sich das Christentum immer schon verändert hat. Und an Visionen ist alles schon da. Nichts ist neu. Bis auf die Menschen, die immer wieder neu für sich auswählen müssen, neu erzählen, neu zusammenfügen. In der Bibel gibt es so viele Texte von Menschen, die mit Gott, mit sich und mit Veränderungen ringen. Von Abraham über Maria bis Paulus fallen mir da viele Namen ein.

Wenn ich eine Vision für unsere Kirche habe, dann ist es eine Vision von der Kunst der kleinen Schritte. Schritte, die von den Menschen in unserer Gemeinde gemacht werden. Da sehe ich die Kinder unserer Kita, die von Gott hören. Ich sehe Menschen, die gemeinsam etwas auf die Beine stellen, sei es in der Konfirmandenarbeit, im Pfarrgarten oder in den Familiengottesdiensten.

Wir verändern uns und unsere Gesellschaft verändert sich. Können wir es schaffen, dass wir Kirche so verändern, dass sie zu uns passt? Das ist unsere Chance. Wer sich in der Kunst der kleinen Schritte übt, der kann auf der einen Seite demütig werden. Weil es langsam voran geht. Auf der anderen Seite kann er aber auch mutig und stolz sein. Denn was kann man mit vielen kleinen Schritten alles schaffen. Wir leben nicht mehr in einer Zeit, in der Kirche Geld und Personal hat, um weiter zu machen wie bisher. Aber wir leben in der Zeit, in der Menschen in Kirche sich dafür entschieden haben, mit anderen Kirche zu sein.  

Was ist Ihre Vision für unsere Kirche?

Ihre Pastorin Lara Schilde