Gedanken zu den Jahreszeiten

28. Januar 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

In jedem Leben gibt es Jahreszeiten: Der Frühling ist vergleichbar mit Geburt und Kindheit, der Sommer mit der Blüte des Lebens, der Herbst mit der ausklingenden Schaffenskraft und dem Blick auf den Ruhestand und der Winter mit dem sich nähernden Lebensende und schließlich dem Tod. In der Kältestarre unter dem Eis sieht es so aus, als wäre alles vorbei.

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht“, so sagt Jesus Christus über das Leben (Joh 12,24). Er öffnet damit den Horizont auf ein Leben hinter dem Tod.

Jesus Christus ist an Ostern auferstanden von den Toten!

Vielleicht haben Sie da so Ihre Zweifel? Doch bedenken Sie: Manchmal ist es schon ein Wunder, dass man morgens in aller Herrgottsfrüh immer wieder aus dem Bett „auf-steht“, den Kreislauf in Schwung bringt, die Gedanken wieder sortiert und die Haare auf dem Kopf. Manchmal ist es schon unglaublich, dass man es immer wieder schafft, am Morgen die Energie aufzubringen für einen neuen Tag, obwohl man sich am Abend zuvor nach der Arbeit wie tot, eben „todmüde“ fühlte.

Das Wichtigste im Leben kann man nicht machen und man kann es auch nicht erklären. Nämlich, dass viele die Erfahrung tatsächlich gemacht haben, dass es ein „Danach“ gibt: Die ersten Schritte nach einem Schlaganfall, der erste Morgen, an dem ein Kranker allein aus dem Bett aufstehen kann, das erste zaghafte Lächeln nach langer Niedergeschlagenheit.

Die Chance des Winters wird oft übersehen. Neues, stärkeres Wachstum kommt aus dem Winter heraus. Zuerst ein Hälmchen, leicht zu übersehen. Dann der Halm, die Ähre, die vielfache Frucht von dem, was in der Erde scheinbar zugrunde gegangen ist. In Wirklichkeit ist es nur „zum Grunde“ gegangen. Tief verborgen keimte es zum neuen Leben hin.

Zu den ersten Frühlingsboten gehören Schneeglöckchen. Faszinierend! Obwohl noch Schnee auf dem Boden liegt, bricht sich die zarte Blume durch das Eis hindurch ihre Bahn. Die Erde bricht auf und verschafft der neuen Blüte zum „Durchbruch“. Für mich ein Zeichen der Hoffnung. Ich hoffe, für Sie auch.

Mit herzlichen Frühlingsgrüßen
Ihre Pastorin Pia Werner